Wagner

Die Walküre

SIEGMUND

Winterstürme wichen dem Wonnemond,
in mildem Lichte leuchtet der Lenz;
auf linden Lüften leicht und lieblich,
Wunder webend er sich wiegt;
durch Wald und Auen weht sein Atem,
weit geöffnet lacht sein Aug': -
aus sel'ger Vöglein Sange süss er tönt,
holde Düfte haucht er aus;
seinem warmen Blut entblühen wonnige Blumen,
Keim und Spross entspringt seiner Kraft.
Mit zarter Waffen Zier bezwingt er die Welt;
Winter und Sturm wichen der starken Wehr:
wohl musste den tapfern Streichen
die strenge Türe auch weichen,
die trotzig und starr uns trennte von ihm. -
Zu seiner Schwester schwang er sich her;
die Liebe lockte den Lenz:
in unsrem Busen barg sie sich tief;
nun lacht sie selig dem Licht.
Die bräutliche Schwester befreite der Bruder;
zertrümmert liegt, was je sie getrennt:
jauchzend grüsst sich das junge Paar:
vereint sind Liebe und Lenz!

SIEGLINDE

Du bist der Lenz
nach dem ich verlangte
in frostigen Winters Frist.
Dich grüßte mein Herz mit heiligem Grau'n,
als dein Blick zuerst mir erblühte.
Fremdes nur sah ich von je,
freundlos war mir das Nahe;
als hätt' ich nie es gekannt,
war was immer mir kam.
Doch dich kannt ich deutlich und klar:
als mein Auge dich sah, warst du mein Eigen:
was im Busen ich barg, was ich bin,
hell wie der Tag taucht' es mir auf,
wie tönender Schall schlug's an mein Ohr,
als in frostig öder Fremde
zuerst ich den Freund ersah.
SIEGMUND

Winter storms gave way to the blissful moon,
in a gentle light, spring is shining;
balmy and sweet on the gentle breezes,
weaving wonders, it gently rocks;
through forest and meadow its breath blows,
wide-open its eyes laugh: -
from the cheerful song of joyful birds it sounds,
it breathes out exquisite fragrances;
to its warm blood, delightful flowers bloom,
buds and new growth spring forth with its strength.
Adorned with gentle weapons, it commands the world;
winter and storm give way to its mighty armament:
truly to its great brave gusts
the stern door, too,  gives way,
those which, defiant and rigid, kept us from it. -
To its sister it swung itself;
love beckoned spring:
it concealed itself deep in our bosom;
now it laughs blissfully in full light.
The brother freed the bride's sister;
What had separated them lies in ruins:
The young couple greet each other with joy:
united are love and spring!

SIEGLINDE

You are the spring
for which I've longed
in frosty wintertime's grip.
My heart greeted you with holy terror
when your gaze first brought me to bloom.
I had always only ever seen strangeness,
unbefriendeedness surrounded me,
as if whatever came to me 
was something I did not know.
But you I knew deeply and clearly:
when my eyes saw you, you were my own:
what I'd kept in my breast, what I am,
came to me bright as day,
like a resounding sound it struck my ear,
as in frosty, desolate foreignness,
I first saw a friend.