Richard Strauss

Vier letzte Lieder

Beim Schlafengehen

Nun der Tag mich müd gemacht,
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.
Hände, laßt von allem Tun,
Stirn, vergiß du alles Denken,
alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.
Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.


September

Der Garten trauert,
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.
Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer Lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.
Lange noch bei den Rosen
bleibt er stehn, sehnt sich nach Ruh,
langsam tut er die (großen) müdgewordnen
Augen zu.


Frühling

In dämmrigen Grüften
träumte ich lang
von deinen Bäumen und blauen Lüften,
von deinem Duft und Vogelsang.
Nun liegst du erschlossen
in Gleiß und Zier,
von Licht übergossen
wie ein Wunder vor mir.
Du kennst mich wieder,
du lockestmich zart,
es zittert durch all meine Glieder
deine selige Gegenwart.


In Abendrot

Wir sind durch Not und Freude
gesangen Hand in Hand,
vom Wandern ruhn wir beide
nun überm stillen Land.
Rings sich die Täler neigen,
es dunkelt schon die Luft,
zwei Lerchen nur noch steigen
nachträumend in den Duft.
Tritt her und laß sie schwirren,
bald ist es Schlafenszeit,
daß wir uns nicht verirren
in dieser Einsamkeit.
O weiter, stiller Friede,
So tief im Abendrot.
Wie sind wir wandermüde –
ist dies etwa der Tod?
Going to sleep

Now that the day has made me tired,
may my earnest longing
greet welcome the starry night
just as a tired child.
Hands, cease from all doing,
brain, put away all thinking,
all my senses now
want to sink into slumber.
And the soul, unattended,
wills to drift and soar unrestrained
to live deep and a thousand times greater
in the enchantment of night.


September

The garden sorrows,
the rain, cool, sinks into the flowers
Summer shudders
silently towards its end.
Golden drops leaf after leaf
down from the tall acacia.
Summer smiles amazed and faint
in the dying garden idyll,
holding on long by the roses,
it pauses, yearning for rest,
slowly it closes
its tired-become eyes.


Spring

In gloomy glades
I dreamed long
of your trees and blue skies,
of your sweet scent and birdsong.
Now you lie flung open
in splendour and adornment,
flooding with light,
as wonderful as ever before me.
You know me again,
you draw me tenderly,
trembling through all my limbs,
your delightful presence.


In evening red

Through need and joy
we have gone hand-in-hand:
We now both rest from wandering
over this quiet land.
All around the valleys close in,
the air is already darkening,
just two larks still climb,
revelling in the fragrance.
Come here and let them trill,
soon it will be time for sleep,
let us not get lost
in this solitude.
Oh, widespread, quiet peace!
So deep now into the red of evening,
how tired we are of our wandering –
Is this perhaps death?