Beim Schlafengehen Nun der Tag mich müd gemacht, soll mein sehnliches Verlangen freundlich die gestirnte Nacht wie ein müdes Kind empfangen. Hände, laßt von allem Tun, Stirn, vergiß du alles Denken, alle meine Sinne nun wollen sich in Schlummer senken. Und die Seele unbewacht will in freien Flügen schweben, um im Zauberkreis der Nacht tief und tausendfach zu leben. September Der Garten trauert, kühl sinkt in die Blumen der Regen. Der Sommer schauert still seinem Ende entgegen. Golden tropft Blatt um Blatt nieder vom hohen Akazienbaum. Sommer Lächelt erstaunt und matt in den sterbenden Gartentraum. Lange noch bei den Rosen bleibt er stehn, sehnt sich nach Ruh, langsam tut er die (großen) müdgewordnen Augen zu. Frühling In dämmrigen Grüften träumte ich lang von deinen Bäumen und blauen Lüften, von deinem Duft und Vogelsang. Nun liegst du erschlossen in Gleiß und Zier, von Licht übergossen wie ein Wunder vor mir. Du kennst mich wieder, du lockestmich zart, es zittert durch all meine Glieder deine selige Gegenwart. In Abendrot Wir sind durch Not und Freude gesangen Hand in Hand, vom Wandern ruhn wir beide nun überm stillen Land. Rings sich die Täler neigen, es dunkelt schon die Luft, zwei Lerchen nur noch steigen nachträumend in den Duft. Tritt her und laß sie schwirren, bald ist es Schlafenszeit, daß wir uns nicht verirren in dieser Einsamkeit. O weiter, stiller Friede, So tief im Abendrot. Wie sind wir wandermüde – ist dies etwa der Tod? | Going to sleep Now that the day has made me tired, may my earnest longing greet welcome the starry night just as a tired child. Hands, cease from all doing, brain, put away all thinking, all my senses now want to sink into slumber. And the soul, unattended, wills to drift and soar unrestrained to live deep and a thousand times greater in the enchantment of night. September The garden sorrows, the rain, cool, sinks into the flowers Summer shudders silently towards its end. Golden drops leaf after leaf down from the tall acacia. Summer smiles amazed and faint in the dying garden idyll, holding on long by the roses, it pauses, yearning for rest, slowly it closes its tired-become eyes. Spring In gloomy glades I dreamed long of your trees and blue skies, of your sweet scent and birdsong. Now you lie flung open in splendour and adornment, flooding with light, as wonderful as ever before me. You know me again, you draw me tenderly, trembling through all my limbs, your delightful presence. In evening red Through need and joy we have gone hand-in-hand: We now both rest from wandering over this quiet land. All around the valleys close in, the air is already darkening, just two larks still climb, revelling in the fragrance. Come here and let them trill, soon it will be time for sleep, let us not get lost in this solitude. Oh, widespread, quiet peace! So deep now into the red of evening, how tired we are of our wandering – Is this perhaps death? |